Neue Abuje erschienen – Alternatives Zeitungsprojekt jetzt auch in Marzahn-Hellersdorf

Das alternative Zeitungsprojekt „Abuje“ gibt es jetzt schon seit fast 10 Jahren in Hohenschönhausen und Lichtenberg. Mit der 29. Ausgabe hat die Redaktion expandiert. Ab sofort wird die „Abuje“ auch von Gruppen aus Marzahn-Hellersdorf mitgestaltet und an den Schulen im Bezirk verteilt. Das hat natürlich ein wenig mehr Planungszeit in Anspruch genommen. Dafür ist die aktuelle Ausgabe auch etwas dicker als die letzten. Zum Start werden u.a. die alternativen Jugendklubs und Hausprojekte im Bezirk vorgestellt.

Rock für Links bei myspace

Let’s be friends!

800 Menschen beim Rock für Links 2008

In diesem Jahr fand das antifaschistische umsonst&draußen Festival nunmehr zum neunten Mal seit 1998 im östlichsten Berliner Plattenbaubezirk statt.
Mit dem „Rock für Links“ soll den Zuständen in Marzahn-Hellersdorf eine antifaschistische Kultur entgegengesetzt und vor allem den alternativen Jugendlichen im Bezirk eine gesellschaftskritische Perspektive vermittelt werden. Dazu wurde das musikalische Programm durch zahlreiche Infostände, u.a. auch durch die Projektwerkstatt WuT, das Antifaschistische Bündnis Marzahn-Hellersdorf oder die Junge Linke ergänzt, sowie im Vorfeld an Schulen und am Festival-Tag auf dem Gelände verschiedene Materialien verteilt. Außerdem brachten einige junge Antifaschist_innen unabhängig vom „Rock für Links“-Bündnis ein Jugendinfoheft heraus.

Das diesjährige „Rock für Links“ war für die meisten Beteiligten eine schöne Feier und ein angemessener Abschluss des Sommers. Das Wetter spielte mit und auch sonst kam es zu nahezu keinen nennenswerten Vorfällen. Alles in allem also eine durchaus gelungene Veranstaltung mit der der Bezirk für einen Tag im Jahr antifaschistisch besetzt wurde, mit der Hoffnung, dass im nächsten Jahr wie auf den vergangenen „Rock für Links“ wieder die Zahl von eintausend Teilnehmer_innen überschritten wird und zumindest einige sich aufgerufen fühlen aktiv(er) zu werden gegen Nazis, Rassismus und den ganzen anderen Scheiß nach dem Motto: Marzahn-Hellersdorf nicht in Nazihand, organisiert den antifaschistischen Widerstand!

einen ausführlichen Bericht über das diesjährige Rock für Links findet ihr hier

Wir wollen kein Stück vom Kuchen…

Aufruf des Rock für Links-Bündnis Marzahn-Hellersdorf

Wir wollen kein Stück vom Kuchen…

Ein Fahnenmeer direkt vor der Haustür, Menschenmassen vor TV-Geräten auf den Straßen, Leute mit bemalten Gesichtern – Schwarz-Rot-Gold wohin mensch blickt. Alle wollen ein Stück vom deutschen Kuchen. Mitmachen beim kollektiven Sommermärchen. Dabei sein ist alles!

Nicht erst seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 haben die Deutschen ihr Nationalgefühl wieder entdeckt. Dennoch war dies ein willkommener Anlass, endlich wieder einmal stolz Deutschland zu feiern und von da an im Zweijahres-Rhythmus die Fahne raus zu hängen. An Stammtischen und allem was dazu verkommen ist, wird der lang herbeigesehnte „normale Patriotismus“ bejubelt. Dass willige Deutsche als Vollstrecker des Nationalsozialismus Millionen Menschen ermordeten, dass die Wurzeln dieser Verbrechen längst nicht beseitigt sind, dass auch heute noch Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihres sozialen Status diskriminiert und ausgegrenzt werden, ist in solchen Runden eher lästig. Dann kommt der Hinweis, dass doch alle ganz ungezwungen feiern und Spaß haben und niemand diese „schöne“ schwarz-rot-goldene Kulisse kaputt reden solle.

Das versöhnende Wir-Gefühl hat sich nicht nur tief im Bewusstsein der deutschen Gesellschaft etabliert. Es dient als Bespaßung für eine ausgrenzende Gesellschaft, bei der mensch alle Hemmungen fallen lassen kann. Auch das sonst vorherrschende Konkurrenzdenken zwischen den Menschen rückt in den Hintergrund. Stattdessen werden neue alte Feindbilder geschaffen. Seien es die „prügelnden Engländer“ oder die „verspielten Italiener“. Hier werden wieder die preußischen Tugenden heraus gekramt und angemerkt, dass Ordnung und Disziplin zum Erfolg führt.

Doch was sich beim Public Viewing im deutschen Kollektiv abspielt, findet tagtäglich im Leben eines jeden Menschen statt. Denn Verwertung ist alles. Was oder wer für die erfolgsorientierte Gesellschaft als „unbrauchbar“ oder „unpassend“ erscheint, wird ausgegrenzt, abgeschoben, stigmatisiert oder einfach ignoriert. Wer den alltäglichen kapitalistischen Lebenskampf bestehen will, muss sich dieser Logik beugen und „brauchbar“ werden oder bleibt auf der Strecke.

Kinder werden in „kluge“ und „dumme“ selektiert, was gerade in Deutschland vor allem mit dem sozialen Status der Eltern in Zusammenhang steht. StudentInnen zahlen für ein oberflächliches Fließband-Studium bis zu 500 Euro Studiengebühren pro Semester und müssen bei ihren Eltern um Kohle betteln, weil das Bafög-Amt peinlichst genau auf Mamas und Papas Einkommen achtet. Menschen werden zur Belastung erklärt, indem ihnen eingeredet wird, dass sie der Gesellschaft auf der Tasche liegen, weil sie die ach so horrenden Sozialleistungen kassieren. Flüchtlinge werden zu Kriminellen und Schmarotzern erklärt, nur weil sie ein schöneres Leben wollen. Queere Menschen stehen einer homophoben, heterosexuellen Gesellschaft gegenüber, die Ausgrenzung und Diskriminierung reproduziert. RassistInnen befördern – unterstützt von staatlicher Diskriminierung – die xenophobe Einstellung in der Gesellschaft gegen all jene Menschen, die keinen deutschen Pass, eine andere Hautfarbe als die Mehrheit haben oder einfach nur in einem anderen Land geboren sind. Kurz: Was oder wer den Mehrwert für die Mehrheit nicht steigert, gilt als nicht stark, schön oder selbstbewusst genug, um in der Gesellschaft zu bestehen.

Ein Leben außerhalb der Gesellschaft zu führen ist weder möglich noch wünschenswert. Jedoch ein Stück von diesem Kuchen auch noch anzustreben, bedeutet mit zu schwimmen im Konsum orientierten Mainstream, auszugrenzen und sich immer wieder selbst zu verwerten, im Praktikum, Ferien- oder Minijob.

…wir wollen ein anderes Rezept!

„Die Wirtschaft der Zukunft funktioniert ein bisschen anders. Im 24. Jahrhundert gibt es kein Geld. Der Erwerb von Reichtum ist nicht mehr die treibende Kraft in unserem Leben. Wir arbeiten um uns selbst zu verbessern und den Rest der Menschheit.“
Captain Jean-Luc Picard, 5. April 2063

Wir wollen nicht mitmachen, sondern alles anders machen. Unsere Gesellschaft ist reich – reich an Luxus, reich an Bildung, reich an allem, was mensch zum Leben will und noch ein bisschen mehr. Dieser Reichtum darf kein Privileg, sondern muss Menschenrecht sein.

Hartz IV stempelt Menschen als unnütz ab. Statt ein individuelles Recht in Anspruch zu nehmen, müssen EmpfängerInnen ihre Bedürftigkeit genau prüfen lassen, bevor sie die milde Gabe der arbeitenden Bevölkerung erhalten. Wir wollen aber keine Wohltaten sondern ein Grundeinkommen, bedingungslos und auskömmlich. Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, an Kultur und Politik muss jedem Menschen offen stehen. Ob jung oder alt, alle haben das Recht ein selbst bestimmtes Leben zu führen, ohne Konkurrenzdruck und Leistungszwang.

SchülerInnen werden immer früher nach ihren Leistungen selektiert, obwohl die meisten Leute ein längeres gemeinsames Lernen befürworten. StudentInnen müssen dem Arbeitsmarkt immer schneller zur Verfügung stehen. Wir wollen im Studium forschen, experimentieren und vor allem Wissen erwerben. Bachelor-Schnellabschlüsse mit gerade soviel Know-how, um einem Unternehmen zu nützen, aber bloß nicht zu unabhängig zu sein, sind nichts für uns. Eine Schule für alle und ein Studium ohne Zugangsbeschränkungen für jede Person sind Voraussetzung für eine Gesellschaft in der Bildung einen höheren Stellenwert einnimmt als kapitalistische Verwertung.

Doch all das macht noch kein anderes, neues Rezept aus. Ein besseres Leben im Hier und Jetzt ist schön, aber nicht genug. Eine „bessere Welt“ kommt nicht über Nacht. Wenn wir nicht alles wollen, kommt sie vielleicht gar nicht.

Wir wollen selbst bestimmen über unser Leben, selbst entscheiden ob wir hetero-, homo-, bi-, trans- oder ganz anders sexuell sind. Selbst entscheiden ob wir arbeiten oder faulenzen, ob wir Gras rauchen oder es sein lassen. Ganz allein entscheiden ob wir studieren und/oder Musik machen. Uns reicht auch nicht die Bäckerei – wir wollen einen anderen Kuchen backen.

Mit dem alljährlichen „Rock für Links“-Festival möchten wir an einem Tag im Jahr einen alternativen Freiraum in Marzahn-Hellersdorf schaffen, in dem Nazis nichts zu suchen haben, SexistInnen vor der Tür bleiben müssen und AntisemitInnen nicht auf der Gästeliste stehen. Einen Freiraum ohne Diskriminierung und Ausgrenzung von Lebensweisen, die der Mehrheitsgesellschaft nicht passen.

Bericht – Gedenkveranstaltung nach rassistischem Mord

Am Sonntag, den 10. August 2008, beteiligten sich etwa 250 Menschen an einem Mahngang in Gedenken an den am 06. August in Berlin-Marzahn ermordeten vietnamesischen Migranten. Mit der Veranstaltung sollte Anteilnahme und Solidarität mit seinen Hinterbliebenen und Freunden, insbesondere seiner Lebensgefährtin, die ein Kind erwartet, zum Ausdruck gebracht werden. Daneben sollte die Entpolitisierung der Tatmotivation thematisiert werden.

>> Kompletter Bericht