Das alternative Zeitungsprojekt „Abuje“ gibt es jetzt schon seit fast 10 Jahren in Hohenschönhausen und Lichtenberg. Mit der 29. Ausgabe hat die Redaktion expandiert. Ab sofort wird die „Abuje“ auch von Gruppen aus Marzahn-Hellersdorf mitgestaltet und an den Schulen im Bezirk verteilt. Das hat natürlich ein wenig mehr Planungszeit in Anspruch genommen. Dafür ist die aktuelle Ausgabe auch etwas dicker als die letzten. Zum Start werden u.a. die alternativen Jugendklubs und Hausprojekte im Bezirk vorgestellt.
Neue Abuje erschienen – Alternatives Zeitungsprojekt jetzt auch in Marzahn-Hellersdorf
29. April 2009 in News Geschlossen
In diesem Jahr fand das antifaschistische umsonst&draußen Festival nunmehr zum neunten Mal seit 1998 im östlichsten Berliner Plattenbaubezirk statt.
Mit dem „Rock für Links“ soll den Zuständen in Marzahn-Hellersdorf eine antifaschistische Kultur entgegengesetzt und vor allem den alternativen Jugendlichen im Bezirk eine gesellschaftskritische Perspektive vermittelt werden. Dazu wurde das musikalische Programm durch zahlreiche Infostände, u.a. auch durch die Projektwerkstatt WuT, das Antifaschistische Bündnis Marzahn-Hellersdorf oder die Junge Linke ergänzt, sowie im Vorfeld an Schulen und am Festival-Tag auf dem Gelände verschiedene Materialien verteilt. Außerdem brachten einige junge Antifaschist_innen unabhängig vom „Rock für Links“-Bündnis ein Jugendinfoheft heraus.
Das diesjährige „Rock für Links“ war für die meisten Beteiligten eine schöne Feier und ein angemessener Abschluss des Sommers. Das Wetter spielte mit und auch sonst kam es zu nahezu keinen nennenswerten Vorfällen. Alles in allem also eine durchaus gelungene Veranstaltung mit der der Bezirk für einen Tag im Jahr antifaschistisch besetzt wurde, mit der Hoffnung, dass im nächsten Jahr wie auf den vergangenen „Rock für Links“ wieder die Zahl von eintausend Teilnehmer_innen überschritten wird und zumindest einige sich aufgerufen fühlen aktiv(er) zu werden gegen Nazis, Rassismus und den ganzen anderen Scheiß nach dem Motto: Marzahn-Hellersdorf nicht in Nazihand, organisiert den antifaschistischen Widerstand!
einen ausführlichen Bericht über das diesjährige Rock für Links findet ihr hier
Aufruf des Rock für Links-Bündnis Marzahn-Hellersdorf
Wir wollen kein Stück vom Kuchen…
Ein Fahnenmeer direkt vor der Haustür, Menschenmassen vor TV-Geräten auf den Straßen, Leute mit bemalten Gesichtern – Schwarz-Rot-Gold wohin mensch blickt. Alle wollen ein Stück vom deutschen Kuchen. Mitmachen beim kollektiven Sommermärchen. Dabei sein ist alles!
Nicht erst seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 haben die Deutschen ihr Nationalgefühl wieder entdeckt. Dennoch war dies ein willkommener Anlass, endlich wieder einmal stolz Deutschland zu feiern und von da an im Zweijahres-Rhythmus die Fahne raus zu hängen. An Stammtischen und allem was dazu verkommen ist, wird der lang herbeigesehnte „normale Patriotismus“ bejubelt. Dass willige Deutsche als Vollstrecker des Nationalsozialismus Millionen Menschen ermordeten, dass die Wurzeln dieser Verbrechen längst nicht beseitigt sind, dass auch heute noch Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihres sozialen Status diskriminiert und ausgegrenzt werden, ist in solchen Runden eher lästig. Dann kommt der Hinweis, dass doch alle ganz ungezwungen feiern und Spaß haben und niemand diese „schöne“ schwarz-rot-goldene Kulisse kaputt reden solle.
Das versöhnende Wir-Gefühl hat sich nicht nur tief im Bewusstsein der deutschen Gesellschaft etabliert. Es dient als Bespaßung für eine ausgrenzende Gesellschaft, bei der mensch alle Hemmungen fallen lassen kann. Auch das sonst vorherrschende Konkurrenzdenken zwischen den Menschen rückt in den Hintergrund. Stattdessen werden neue alte Feindbilder geschaffen. Seien es die „prügelnden Engländer“ oder die „verspielten Italiener“. Hier werden wieder die preußischen Tugenden heraus gekramt und angemerkt, dass Ordnung und Disziplin zum Erfolg führt.
Doch was sich beim Public Viewing im deutschen Kollektiv abspielt, findet tagtäglich im Leben eines jeden Menschen statt. Denn Verwertung ist alles. Was oder wer für die erfolgsorientierte Gesellschaft als „unbrauchbar“ oder „unpassend“ erscheint, wird ausgegrenzt, abgeschoben, stigmatisiert oder einfach ignoriert. Wer den alltäglichen kapitalistischen Lebenskampf bestehen will, muss sich dieser Logik beugen und „brauchbar“ werden oder bleibt auf der Strecke.
Kinder werden in „kluge“ und „dumme“ selektiert, was gerade in Deutschland vor allem mit dem sozialen Status der Eltern in Zusammenhang steht. StudentInnen zahlen für ein oberflächliches Fließband-Studium bis zu 500 Euro Studiengebühren pro Semester und müssen bei ihren Eltern um Kohle betteln, weil das Bafög-Amt peinlichst genau auf Mamas und Papas Einkommen achtet. Menschen werden zur Belastung erklärt, indem ihnen eingeredet wird, dass sie der Gesellschaft auf der Tasche liegen, weil sie die ach so horrenden Sozialleistungen kassieren. Flüchtlinge werden zu Kriminellen und Schmarotzern erklärt, nur weil sie ein schöneres Leben wollen. Queere Menschen stehen einer homophoben, heterosexuellen Gesellschaft gegenüber, die Ausgrenzung und Diskriminierung reproduziert. RassistInnen befördern – unterstützt von staatlicher Diskriminierung – die xenophobe Einstellung in der Gesellschaft gegen all jene Menschen, die keinen deutschen Pass, eine andere Hautfarbe als die Mehrheit haben oder einfach nur in einem anderen Land geboren sind. Kurz: Was oder wer den Mehrwert für die Mehrheit nicht steigert, gilt als nicht stark, schön oder selbstbewusst genug, um in der Gesellschaft zu bestehen.
Ein Leben außerhalb der Gesellschaft zu führen ist weder möglich noch wünschenswert. Jedoch ein Stück von diesem Kuchen auch noch anzustreben, bedeutet mit zu schwimmen im Konsum orientierten Mainstream, auszugrenzen und sich immer wieder selbst zu verwerten, im Praktikum, Ferien- oder Minijob.
…wir wollen ein anderes Rezept!
„Die Wirtschaft der Zukunft funktioniert ein bisschen anders. Im 24. Jahrhundert gibt es kein Geld. Der Erwerb von Reichtum ist nicht mehr die treibende Kraft in unserem Leben. Wir arbeiten um uns selbst zu verbessern und den Rest der Menschheit.“
Captain Jean-Luc Picard, 5. April 2063
Wir wollen nicht mitmachen, sondern alles anders machen. Unsere Gesellschaft ist reich – reich an Luxus, reich an Bildung, reich an allem, was mensch zum Leben will und noch ein bisschen mehr. Dieser Reichtum darf kein Privileg, sondern muss Menschenrecht sein.
Hartz IV stempelt Menschen als unnütz ab. Statt ein individuelles Recht in Anspruch zu nehmen, müssen EmpfängerInnen ihre Bedürftigkeit genau prüfen lassen, bevor sie die milde Gabe der arbeitenden Bevölkerung erhalten. Wir wollen aber keine Wohltaten sondern ein Grundeinkommen, bedingungslos und auskömmlich. Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, an Kultur und Politik muss jedem Menschen offen stehen. Ob jung oder alt, alle haben das Recht ein selbst bestimmtes Leben zu führen, ohne Konkurrenzdruck und Leistungszwang.
SchülerInnen werden immer früher nach ihren Leistungen selektiert, obwohl die meisten Leute ein längeres gemeinsames Lernen befürworten. StudentInnen müssen dem Arbeitsmarkt immer schneller zur Verfügung stehen. Wir wollen im Studium forschen, experimentieren und vor allem Wissen erwerben. Bachelor-Schnellabschlüsse mit gerade soviel Know-how, um einem Unternehmen zu nützen, aber bloß nicht zu unabhängig zu sein, sind nichts für uns. Eine Schule für alle und ein Studium ohne Zugangsbeschränkungen für jede Person sind Voraussetzung für eine Gesellschaft in der Bildung einen höheren Stellenwert einnimmt als kapitalistische Verwertung.
Doch all das macht noch kein anderes, neues Rezept aus. Ein besseres Leben im Hier und Jetzt ist schön, aber nicht genug. Eine „bessere Welt“ kommt nicht über Nacht. Wenn wir nicht alles wollen, kommt sie vielleicht gar nicht.
Wir wollen selbst bestimmen über unser Leben, selbst entscheiden ob wir hetero-, homo-, bi-, trans- oder ganz anders sexuell sind. Selbst entscheiden ob wir arbeiten oder faulenzen, ob wir Gras rauchen oder es sein lassen. Ganz allein entscheiden ob wir studieren und/oder Musik machen. Uns reicht auch nicht die Bäckerei – wir wollen einen anderen Kuchen backen.
Mit dem alljährlichen „Rock für Links“-Festival möchten wir an einem Tag im Jahr einen alternativen Freiraum in Marzahn-Hellersdorf schaffen, in dem Nazis nichts zu suchen haben, SexistInnen vor der Tür bleiben müssen und AntisemitInnen nicht auf der Gästeliste stehen. Einen Freiraum ohne Diskriminierung und Ausgrenzung von Lebensweisen, die der Mehrheitsgesellschaft nicht passen.

Am Sonntag, den 10. August 2008, beteiligten sich etwa 250 Menschen an einem Mahngang in Gedenken an den am 06. August in Berlin-Marzahn ermordeten vietnamesischen Migranten. Mit der Veranstaltung sollte Anteilnahme und Solidarität mit seinen Hinterbliebenen und Freunden, insbesondere seiner Lebensgefährtin, die ein Kind erwartet, zum Ausdruck gebracht werden. Daneben sollte die Entpolitisierung der Tatmotivation thematisiert werden.

Am 6. August 2008 ermordete der Deutsche Tino W. (35) in der Marchwitza Straße in Marzahn den Illegalisierten „Cha Dong N.“ (dieser Name ist den ersten Presseberichten entnommen). Gegen 10.15 Uhr griff der Mörder den Zigarettenhändler vor einem Supermarkt an, informierte die Polizei, dass er einen „vietnamesischen Zigarettenhändler“ festhalte und fragte laut Berliner Morgenpost: „Regelt ihr das oder muss ich das selbst erledigen?“. Nach Zeugenaussagen hatte er den Händler zuvor beraubt, woraufhin sich dieser zur Wehr setzte. Noch bevor der gerufene Streifenwagen eintraf, stach W. mit einem Messer auf den zwanzigjährigen „Cha Dong N.“ ein, welcher wenige Stunden später seinen Verletzungen während der Notoperation in einer Berliner Klinik erlag. In den vergangenen Monaten lebte Cha zusammen mit einer schwangeren, jungen Frau in einem Treptower Wohnheim.
In der Vergangenheit äußerte der Täter regelmäßig gegenüber Bekannten, dass „diese Fidschis“ endlich verschwinden sollen und kündigte mehrfach an, „selbst etwas dagegen zu unternehmen, wenn die Behörden schon nichts tun würden“.
Beim Angreifer handelt es sich nach bisherigen Berichten nicht um einen rassistischen Gesinnungstäter, es wird das Bild eines irren Marzahners mit Drogenproblemen und schwangerer Freundin gezeichnet. Die Gesellschaft delegiert das Problem an ihren sozialen Rand. Doch handelt es sich bei Tino W. um einen Einzeltäter aus der Mitte der deutschen Gesellschaft. Es sind die rassistischen Gesetzgebungen dieses Staates und tradierte gesellschaftliche Einstellungen, die einem deutschen Mann als Legitimation gelten, in Blockwartmentalität einen (Raub-)Mord zu begehen – und über sein Vorhaben sogar selbst die Polizei zu informieren. Menschen, die aus politischen Gründen oder auf der Suche nach dem persönlichen Glück in reiche Länder wie dieses flüchten, wird ein legaler Aufenthalt in der Regel nicht ermöglicht. Ohne jede soziale und ökonomische Absicherung und Rechte leben sie ständig bedroht von Abschiebung. Die daraus resultierende preiswerte Arbeitskraft von Flüchtlingen stellt einen bedeutenden Faktor für die deutsche Wirtschaft dar. In der Wahrnehmung der so profitierenden deutschen Mehrheit haben diese Menschen keinen Platz oder werden als fremde Bedrohung und Konkurrenz wahrgenommen. Die Rechtlosigkeit, die ihnen der Staat gewährt, stigmatisiert sie zu Freiwild.
Wir erinnern an den unter ähnlichen Umständen im April 1992 am Brodowiner Ring Ermordeten Nguyen Van Tu.
Wir fordern die Anerkennung aller Bürgerrechte für die in diesem Staat lebenden Menschen!
Darüber hinaus bedarf die freie und solidarische Assoziation aller Individuen jedoch eine Überwindung der bürgerlichen Gesellschaft, von Staat und kapitalistischer Vergesellschaftung, welche eben auch Distinktionsmechanismen wie Rassismus permanent produzieren.
Nehmt Teil an der Mahnwache am 10. August!
Treffpunkt: 15 Uhr, Helene-Weigel-Platz am S-Bhf. Springpfuhl

Auch in diesem Sommer ist mal wieder viel los in Berlin und Brandenburg!
Den Beginn macht die „Fête de la Musique“, das Fest der Musik, das alljährlich zum Sommeranfang, am 21. Juni gefeiert wird. Viele Bühnen machen die Stadt, wie jedes Jahr, zum Konzertsaal. Hunderte Künstler treten, wie jedes Jahr, umsonst und oft draussen auf. In Hellersdorf gibt es, zum dritten Mal in diesem Jahr, ein Angebot im Rahmen der Fête das durch den Roten Baum verantwortet wird. Wie schon 2006 und 2007 wird sie vor dem Rathaus in der Hellen Mitte stattfinden.
>> Fête de la Musique
>> Fête de la Musique in Hellersdorf
Am 05. Juli findet nun schon das 13. Rock für Links-Festival in der Parkaue Lichtenberg statt. Dieses Jahr widmen sich die Veranstalter_innen dem Thema wachsender staatlicher und kommerzieller Überwachung. Der Eintritt ist wie immmer frei.
>>Rock für Links in Lichtenberg
Weiter geht es am 12. Juli mit einer Streetparade unter dem Motto „Keine Stimme den Nazis – Für eine befreite Gesellschaft“ in Bernau (bei Berlin). Diese beginnt ab 14.00 Uhr vom Bhf. Bernau aus. Es wird verschieden Wagen mit Bands und DJane’s, die in unterschiedlicher Musikrichtungen unterteilt sind, geben. Die Parade findet im Rahmen der Brandenburger Kampagne „Keine Stimme den Nazis“ statt. Im Anschluss findet eine Aftershowparty im Jugendtreff Dosto statt.
>> Streetparade
>> Kampagne „Keine Stimme den Nazis“
Am 18. & 19. Juli findet in Strausberg bereits zum 3. mal das Subtival statt. Im Kulturpark Strausberg (nahe S-Bhf. Strausberg Stadt) organisieren die Veranstalter_innen neben zahlreichen Bands auch Informationsveranstaltungen und Freizeitmöglichkeiten an beiden Tagen.
>> Subtival
Am 25. & 26. Juli findet wieder einmal Berlins größtes Newcomer-Open-Air in Berlin-Marzahn statt! Rock im Grünen im Schlosspark Biesdorf – das heißt janz viel jute Mucke, die kaum einer kennt, aber alle kennnen sollten, unter freiem Himmel, im Grünen sozusagen! Rock im Grünen ist Berlins sowohl größtes, als auch einziges kostenloses und ehrenamtlich organisiertes Newcomer-Open-Air. Und das gibts jetzt schon seit 1998.
>> Rock im Grünen
Im August wartet ein echtes Highlight auf alle Freunde des gepflegten Punkrocks. Vom 08. – 10. August findet bereits zum 5. mal in Berlin-Marzahn das größte Punkrock-Open Air Berlins „Resist To Exist“ statt.
>> Resist To Exist
Am 30. August ist es wieder soweit. Nach 2003,2004 und 2006 findet das Kontrollverluste-Festival in Treptow-Köpenick endlich wieder statt. Nähere Infos gibt es unter…
>> Kontrollverluste
…and last but not least…das Rock für Links in Hellersdorf am 13. September – der glorreiche Abschluss der Festival-Saison 2008!
Endlich ist es soweit. Das Line-Up ist komplett…*trommelwirbel*
Neben den bereits bestätigten „The Hits“, „Radio Havanna“ und „Bandylegs“ gesellen sich die Berliner Rockband „Stakeout“, die Berliner Ska-Combo „Minni the Moocher“, der Hannoveraner Reggae-Artist „Benjie“ (Ganja Smoka
) und die Berliner SkapunkerInnen „Delikat“ in den illustren Kreis der MusikantInnen, die das Rock für Links in diesem Jahr künstlerisch unterstützen möchten, dazu. Wir sagen schon mal im voraus Merci! Spasibo! Thank You!
Broschüre über rechtsextreme Aktivitäten in Marzahn-Hellersdorf erschienen!
28. April 2008 in News GeschlossenDie Broschüre „Dunkelziffer Unbekannt“, herausgegeben vom Antifaschistischen Bündnis Marzahn-Hellersdorf und der Projektwerkstatt WuT, wirft einen Rückblick auf rechtsextreme Aktivitäten im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf im Jahr 2007.
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Die Broschüre kann hier sowohl als PDF heruntergeladen als auch online gelesen werden. Bestellungen können per email an das ABM (abm@riseup.net) oder die Projektwerkstatt WuT (wut@suburbanhell.org) gerichtet werden.






